Ein Subjektiv macht Spaß. Aber es hilft auch die Welt der Optik besser zu verstehen. Noch mehr versteht man, wenn man mehr weiß. Daher sammeln wir an dieser Stelle Texte zu den physikalischen Hintergründen.
Der subjektive Hintergrund
Fotografieren mit der Zonenplatte
Die Zonenplatte ist alt. Älter als die Fotografie. Trotzdem verbindet beide mehr als nur die Tatsache, dass wir heute damit fotografieren können. Erfunden wurde die Zonenplatte von Augustin Jean Fresnel. Übrigens der gleiche, dem heute noch alle Großformatfotografen wegen angenehm heller Einstellscheiben zu Dank verpflichtet sein sollten. Als Nicéphore Nièpce 1826 das erste heute noch erhaltene Foto aufnahm, hatte Fresnel nur noch einige Monate zu leben. Studienkollege und wichtiger Weggefährte Fresnels war Dominique Francois Arago. Der wiederum am 19.8.1839 vor den versammelten Akademien der Wissenschaften und der Künste in Paris das Exposé Daguerres vortrug und damit der Zeremonienmeister der offiziellen Geburtsstunde der Fotografie war. Trotz dieser zeitlichen und personellen Nähe, dachte damals noch niemand daran, mit Zonenplatten zu fotografieren. Deren Vorteile wurden erst viel später in der Holografie und Röntgenmikroskopie erkannt und genutzt. Doch wie bei allem was die Wissenschaft zum Lichtbildnern zur Verfügung stellt, fanden und finden sich auch hier immer wieder Fotografen, die an einer etwas anderen Art der Abbildung interessiert waren.
Heutzutage kann man eine Zonenplatte mit 65 mm Brennweite einfach in das Subjektiv einsetzen. Aber was ist eine Zonenplatte? Rein formal handelt es sich dabei um ein Stück Film, auf das ein Kringelmuster aufbelichtet wurde. Aber natürlich nicht irgend ein Kringelmuster. Eine Zonenplatte besteht aus abwechselnd weißen und schwarzen Ringen. Die Flächen dieser Zonen ist immer gleich groß, d.h. der weiße Kreis in der Mitte lässt genauso viel Licht durch wie ein weißer Kringel am Rand. Wir ehren noch einmal Fresnel und erinnern uns an den Physikunterricht. Die Lichtstrahlen werden durch konstruktive Interferenz in einem Brennpunkt vereinigt, während die Teile der Welle die zu destruktiver Interferenz führen würden, durch die schwarzen Kringel der Zonenplatte ausgeblendet werden. Das ist einerseits genial, andererseits aber auch etwas kompliziert. Schon diese paar wenigen Informationen sorgen für mehrere in der Fotografie interessante Effekte. Vor allem wenn man die Zonenplatte mit einer Lochblende vergleicht.
Das Kontrastverhalten
Der erste Punkt ist das Filmstück. Film kann zwar sehr transparent sein, aber er wird nie so transparent sein wie das hochwertige Glas eines Objektivs und schon gar nicht so transparent wie die Luft einer Lochblende. Andererseits ist das Schwarz der Zonenplatte keine Metallfassung, Blende oder Pinhole-Metallfolie, sondern das entwickelte Silber des Films und damit längst nicht so undurchlässig für Lichtstrahlen wie wir uns das wünschen. Aber wünschen wir uns das überhaupt? Vielleicht nicht, denn dieses Filmstück führt so zu einem Kontrastverhalten, das sich für hohe Kontrastumfänge im Motiv perfekt eignet. Über die acht bis neun Blenden einer digitalen Spiegelreflex kann eine Zonenplatte ebenso nur lachen wie selbst über die 13 Blenden die manche Schwarzweißfilme schaffen. Gerade Digitalfotografen kommen ins Staunen welche Kontratumfänge ihre Kameras plötzlich bewältigen können.
Die Schärfe
Wenn das Abbildungsprinzip auf konstruktiver Interferenz beruht, bedeutet dies andererseits, dass die Wellenlänge entscheidend für die Berechnung des Brennpunkts ist. Eine Zonenplatte ist also immer nur für eine Wellenlänge exakt scharf. Das funktioniert im Physikversuch mit Laserlicht ganz wunderbar, scheitert in der bildmäßigen Fotografie an den im sichtbaren Bereich nun mal deutlich breiteren Wellenlängenbändern. Hier schlagen die chromatischen Aberrationen unerbittlich zu.
Oft ist eine Zonenplattenaufnahme genau so unscharf, wie man es sich gemeinhin von Lochkameras immer vorstellt. So scharf wie sie sein kann, ist sie allerdings nur in ihrem Brennpunkt. Anders ausgedrückt: Während eine Lochkamera theoretisch eine unendliche Tiefenschärfe bietet (und praktisch immer noch vom doppelten Abstand Loch-Sensor/Film bis in die unendlichen Weiten gleich scharf abbildet), sollte eine Zonenplattenkamera fokussiert werden. Dadurch eignet sich eine Zonenplatte eher für Spiegelreflexkameras mit dem Subjektiv als für starre Holz- und Bastelkameras.
Ob der Tiefenschärfe bei Blende 32 lässt sich dies natürlich im Weitwinkelbereich einfach ignorieren. Wer sich dagegen ans Fokussieren wagt, kommt dabei manchmal vor wie beim sprichwörtlichen an die Wand Nageln eines Puddings. Trotzdem, es geht schon. Von einem Brenn-Punkt zu sprechen erscheint in der Praxis zwar allzu euphemistisch, aber wer weiter an der Skala dreht, merkt bald, dass es immer noch unschärfer geht. Beim Betrachten der Bilder kommt später sowieso niemand auf die Idee, dass es schärfer gegangen wäre.
Lichtstärke und Lichtkränze
Da Zonenplatten wesentlich mehr Licht zur Bildentstehung bündeln als ein winziges Löchlein, sind sie auch wesentlich lichtstärker. Für ein Objektiv wäre es nun wahrlich übertrieben bei Blendenzahlen von 30 bis 50 von Lichtstärke zu sprechen, doch wenn man diese Zonenplattenöffnungen mit den Blendenwerten von 138 bis 250 bei Lochkameras vergleicht, dann ist das lichtstark. Womit wir dann wieder bei den Gründen wären, die für den Einsatz einer Spiegelreflex sprechen.
Neben all diesen Kriterien gibt es aber noch eine weitere typische Eigenschaft einer Zonenplattenaufnahme. In Lichtreflexen zeigt sich nicht wie bei mit Objektiven aufgenommenen Fotos die Form der Blende, sondern auf dem gleichen Weg eine Zonenplatte im Bild, quasi die Blendenform. Noch weit mystischer wird es allerdings bei regelrechten Aureolen, die sich um helle beleuchtete Flächen bilden können. Mit diesen Lichtkränzen hätte der Dramatiker August Strindberg mit seiner Geisterfotografie von vor über 100 Jahren wahrscheinlich endgültig den Beweis gefunden, dass man jenseitiges durchaus fotografieren kann. Eigentlich schade, dass ihm diese Möglichkeit verwehrt blieb.
Praxis
In der Praxis ist die Zonenplattenfotografie zwar mit einigen Erschwernissen beim Fotografieren verbunden, aber dem impressionistischen Charme dieser Aufnahmeart kann man sich kaum entziehen. Da dieser Effekt wie alle dominanten Umwandlungen in der Fotografie durchaus der Gefahr der Abnutzung unterliegt, würden von Modellen, die ausschließlich als Zonenplattenkamera genutzt werden, eher abraten. Doch da wo die Zonenplatte eine zusätzliche Option ist, wie bei den Optikmodulen des Subjektivs, da möchten wir zum überlegten Einsatz einer Zonenplatte besonders ermutigen. Scharf fotografieren kann heutzutage schließlich jeder.